Anmerkungen
zum Stellenwert einer Hygienefachkraft im Gefüge einer Krankenhausstruktur
Die Hygienefachkraft ist
eine wichtige Schaltstelle, wenn ein Hygieneproblem akut wird und die Sicherheit
der Krankenversorgung nicht mehr mit der Rechtssicherheit gegenüber
dem Patienten gewährleistet ist.
Die Fachkraft ist in diesem
Moment einer der wichtigsten vorbereitenden Entscheidungsträger, die
eine Problemlösung erarbeitet und Dialoge zwischen den Fachabteilungen,
Verwaltung und übergeordneten Stellen ankurbeln muß.
Die Tätigkeit wird
vermehrt durch Kostendruck und Kompetenzblockaden geleitet und erfordert
eine bessere Vorgehensweise, um die gewünschten Ergebnisse in einen
akzeptablen Rahmen zu bringen. Hier ist oft eine raffiniert ausgedachte
Vorgehensweise gefordert, um nicht die zukünftige Arbeit langfristig
zu gefährden. Diese Tatsache birgt die Gefahr einer Gradwanderung
zwischen dem langfristigen Optimum und gänzlicher Minimalzielerreichung.
Die tägliche Routinearbeit
wird häufig nicht sehr beachtet, da die zwingenden Handlungsgründe
für diese Tätigkeit nicht so schwerwiegend beurteilt werden.
Eine drohende Gefahr in Krisensituationen in das Schussfeuer der
Kritik zu kommen wird stärker beachtet als die vorbeugende Hygieneorganisation.
Aus diesen Gründen hat die Hygienefachkraft oft einen hohen Stellenwert,
wenn Hygieneprobleme eskalieren.
In diesen Krisensituationen
wird oft versucht die Verantwortung für die Hygiene alleine in Richtung
Fachkraft zu lenken. Anschließend hat die HFK nicht nur mit der Krisensituation
zu kämpfen, sondern auch mit Rechtproblemen.
Ohne Rückendeckung
ist diese Situation nicht befriedigend oder sogar frustrieren und führt
zu den unterschiedlichsten Reaktionen. ( Resignation, Aufgabe, Krankheit
usw.)
Die Hygienefachkraft ist
oft nicht einmal im Stellenplan als Fachkraft gelistet, sondern wird mit
in den Pflegepool einbezogen. Dieses Situation ist doppelt belastend, da
unangenehme Problematisierungen den Stuhl der Fachkraft immer wieder zum
wackeln bringen.
Schauen Sie einmal ins Internet,
um die Seiten der Krankenhäuser zu sichten. Hier finden Sie nur in
seltenen Fällen die Stelle einer HFK wieder. In der Bereichsübersicht
(Lageplantafel/Beschilderungstafel) in den Krankenhäusern ist die
Situation nicht viel anders. Man hat das Gefühl, die Hygienefachkraft
muß aus der Sicht der Arbeitgeber zwar Präsent sein, wenn Situationen
es erfordern, jedoch nach Außen ist die Stelle nicht vorhanden.
Man hat das Gefühl,
die Arbeitgeber befürchten bei Veröffentlichung der Stellenbesetzung
gegenüber dem Patienten, das Haus hat Hygieneprobleme und muß
dafür eine HFK anstellen.
Die Situation ist jedoch
nicht so, sondern der Patient ist der Hygienefachkraft gegenüber sehr
aufgeschlossen und fühlt sich sicherer bei Anwesenheit einer HFK.
Wichtig wird die Stelle
der HFK gegenüber den Gesundheitsbehörden. Diese Stellen benutzen
die HFK als Hauptansprechpartner für Hygienefragen. Bei Begehungen
oder Kontrollen muß die HFK fast immer Auskunft über die hygienischen
Situationen im Haus geben. Die Hygienesituation wird hier abgefragt. In
diesen Situationen ist es wiederum eine Gradwanderung zwischen Loyalität
zum Arbeitgeber und Istsituationsdarlegung. Ein Gesundheitsamt kann nicht
alle Hygieneauflagen eines Hauses im Detail kontrollieren und bewerten.
Die Hilfe der HFK muß in Anspruch genommen werden. An dieser Stelle
kann es passieren, das die HFK bei falschen Aussagen in Bedrängnis
geraten kann, da diese Kontrollen dokumentiert werden. Hier ist die HFK
persönlich gefordert, die richtige Entscheidung für sich und
den Arbeitgeber zu fällen.
Bei Anfragen der Krankenkassen
(im Patientenauftrag) bei angeblichen Hygienemängeln ist die HFK oft
die erste Anlaufstelle. Sie soll Stellung zu den Vorwürfen beziehen
und den Arbeitgeber rechtssicher vertreten. In diesen Situationen darf
die HFK nicht ohne Fachberaterunterstützung tätig werden, da
sonst erhebliche Gefahren auf sie lauern. Es empfiehlt sich eine Rechtsberatung
über den Arbeitgeber aufzusuchen und danach erst zu handeln.
Aus der Sicht der Patienten
ist die HFK eine sehr wichtige Person im Gefüge - Krankenhaus. Der
Patient achtet besonders auf hygienische Vorgehensweisen des Personals.
Der Patient wird immer wieder durch die Medien auf unhygienische Handlungen
im Gesundheitswesen hingewiesen und kommt damit schon vorbelastet in die
Behandlung. Ist eine HFK präsent, ist die Situation ein wenig entschärft
und kann für das Haus nur positiv ausfallen.
Die Stelle einer HFK ist
eine Stabsstelle und erfordert jede Menge Phantasie und diplomatisches
Handeln. Die erforderliche Rückendeckung für diese Stelle kann
nur noch einmal hervorgehoben werden.
Die Entlohnung dieser Hygienetätigkeit
ist immer wieder ein Thema in Gesprächen mit Kollegen. Sie liegt im
Vergleich zu anderen Berufsgruppen in der Krankenpflege mit denen einer
Bereichsfachkraft (Intensiv-, OP- Fachkraft ) gleich. Um hier auch noch
einmal die Stellung der HFK aufzuwerten, muß die Entlohnung mindestens
ein wenig höher liegen, als die der Fachkräfte der Fachbereiche.
Es gibt Situationen in denen der Stellenwert der Fachkraft am Gehalt gemessen
wird. Demzufolge ist es nicht gut, die HFK mit den Mitarbeitern der Fachabteilungen
gleichzustellen. Die Mitarbeiter sollen schließlich nach Empfehlungen
oder Anordnungen der HFK Tätig werden. Zudem ist die Entlohnung gemessen
an der Wichtigkeit der Hygiene im Gesundheitsgefüge zur Zeit nicht
angemessen. Die Qualitätsanforderungen werden immer höher geschraubt
und das Hygienebewusstsein beim Patienten baut sich auf. Die Gewerkschaften
sollten ihre Tarifpolitik zu Gunsten der HFK lenken und die Politiker sind
aufgefordert, die gesetzlichen Voraussetzungen für eine gesicherte
Hygieneorganisation zu schaffen und nicht nur Parteipolitische Machtkämpfe
auszufechten.
Die
HFK fordern einen gesicherten Rahmen für ihre tägliche Hygienearbeit
und begehren eine Landeshygieneverordnung in den Bundesländern, die
eine solche Regelung noch nicht haben.
Es
sterben/erkranken immer noch tausende Patienten an vermeidbaren Infektionen
in Deutschen Krankenhäusern. Diese hat nicht nur enorme Kosten und
Folgekosten sondern die betroffenen Patienten sind dadurch in ihrem weiteren
Lebensverlauf stark eingeschränkt.