Erfahrungen
mit dem *KISS - Infektionserfassungssystem nach *NRZ
Erfahrungen mit der Teilnahme am Aufbau
einer Referenzdatenbank für die Surveillance nosokomialer Infektionen
bei Wunden
[Einleitung]
[Erste Impulse] [Selbstgesteckte
Ziele] [Mehrere
Schritte bis zur Durchführung] [Vorgehen
/ Erfassung] [Ergebnisbesprechung]
[Resümee]
Einleitung
Ein wichtiger Aspekt, die
Erfassung anzukurbeln war die Frage nach einer vergleichbaren Qualitätsnorm.
Die Infektionsraten sollten mit anderen Erfassern verglichen werden, um
den Stand der Infektionsrate zu ermitteln. Aus den Ergebnissen werden Aktionen
zur Reduzierung der Infektrate bzw. Standortbestimmung festgelegt und durchgeführt.
Die Infektionsraten sollten objektiv und gefestigt sein. Diese Zielsetzung
ist mit dem KISS - Modul zu erreichen wenn alle beteiligten Personen daran
arbeiten, diese standardisierte Erfassungsform durchzusetzen.
Erste
Impulse
Die erste Information über
das KISS - Modul erreichte uns über das Infektiologische Bulletin.
Hier wurde eine kurze Information über das neue Projekt beschrieben.
Diese Erfassungsform hatte Ähnlichkeiten mit der Erfassung, die wir
schon einige Jahre in unserer Abteilung durchgeführt hatten. Unsere
Erfassung war jedoch nicht vergleichbar mit anderen Erfassern. Wir wollten
an einer vergleichbaren Studie teilnehmen um die Effizienz dieser Mühe
zu optimieren. Diese Impulse wurden glücklicherweise auch auf die
verantwortlichen Personen übertragen und der Erfassung nach dem KISS-Modul
konnte beginnen.
Ist dieser Zustand nicht
erreicht, kann die Erfassung nicht beginnen.
Selbstgesteckte
Ziele
Die Infektionen einiger
Indikatoroperationen sollten ermittelt werden. Die Erfassung der gesamten
Operationen würde den Zeitrahmen sprengen. Also entschieden wir uns
für die Operationen, die am häufigsten vorkommen und die Folgekomplikationen auslösen. Die Erfassung sollte nach gründlicher
Einarbeitungszeit auf andere Indikatoroperationen ausgedehnt werden. Die
Erfassung sollte flexibel gestaltet werden können. Wenn eine Indikatoroperation
weitgehend stabile Infektionsraten zeigt, sollte auf eine andere Operation
evtl. in einem anderen Klinikbereich umgeschwenkt werden. Dieses führt
zu einem überschaubaren Zeitrahmen und deckt alle Operationen in einem
längeren Zeitraum ab.
- Alle Mitarbeiter sollen
diese Erfassungsform als Hilfsmittel zur Steigerung der Qualität begreifen
und daran mitarbeiten.
- Die Ergebnisse der Erfassung
sollen nicht zur persönlichen Arbeitsleistungsbemessung herangezogen
werden.
- Die Ergebnisse sollen
zur Überprüfung der Arbeitsmethoden herangezogen werden.
- Die Erfassung soll ein
Beitrag zur Qualitätssicherung darstellen.
Mehrere
Schritte bis zur Durchführung
- Die Unterlagen zur Teilnahme
am KISS Projekt wurden vom NRZ angefordert.
- Um an dieser Langzeitstudie
teilzunehmen wurden alle Teilnahmebedingungen im einzelnen kontrovers diskutiert
und festgelegt.
- Die Bereitschaft zur Teilnahme
wurde von den Verantwortlichen schriftlich bestätigt.
- Ein Arzt aus der betroffenen
Abteilung wurde zur Betreuung der Studie gewonnen. Diese Maßnahme
festigt die Ergebnisse und beschleunigt die Umsetzung der Maßnahmen,
die erforderlich sind, um Komplikationen aufzudecken und Gegenmaßnahmen
einzuleiten.
- Alle Mitarbeiter der betroffenen
Abteilung wurden in einer Dienstbesprechung über das Vorhaben informiert.
In diesem Zusammenhang wurden die Mitarbeiter über die wichtigsten
Parameter ( Wundklasse, ASA und Grund der Erfassung ) informiert
und eine kurze Schulung und Übung wurde durchgeführt. Diese Aktion
muß durchgeführt werden, um die richtige Wundklassifikation
und ASA zu ermitteln.( Der Chirurg bzw. Anästhesist ist die einzige
Person, die eine Wundklassifikation und ASA Zahl beurteilt und in die EDV
einträgt ). Diese Maßnahme muß später noch öfter
durchgeführt werden, da nicht alle Ärzte die Wichtigkeit dieser
Eintragungen erkennen oder neue Mitarbeiter müssen eingewiesen werden.
- Die Berufung von hygienebeauftragten
Schwestern und Pflegern hat sich als günstig erwiesen. Die Personen
sind kostbare Ansprechpartner in Sachen Hygiene und KISS. Diese neue Form
der Hygieneorganisation bringt gute Erfolge bei der Umsetzung der Hygieneforderungen
auf der Station.
- Eine Person wurde zum
NRZ nach Berlin geschickt, um das KISS - Modul im Einzelnen zu erlernen.
Diese Person erfaßt die Infektionen in unserer Klinik. Das Erlernte
wurde auch an den
hygienebeauftragten
Arzt weitergegeben, um auch diesen Bereich mit einzubinden.
- Die Teilnahme am KISS
wurde schriftlich beim NRZ angemeldet.
- Die Liste der Indikatoroperationen
wird von einer Datenbankadministratorin aus den Daten der Operationseintragungen
herausgefiltert und 2 x in der Woche an den Erfasser per Fax übermittelt.
Vorgehen
/ Erfassung
- Die Liste der Indikatoroperationen
wird von einer Datenbankadministratorin anhand der ICPM Schlüssel
aus den Daten der Operationseintragungen herausgefiltert ( hausinternes
Datenbanksystem ) und 2 x in der Woche auf einem Zettel an den Infekterfasser
per Fax übermittelt. In dieser Liste stehen alle vom KISS - Modul
geforderten Daten. ( OP Datum, ICPM, Auf.-Nr., Entlassungsdatum, Alter,
Schnitt-Naht-Min., Wundklasse, ASA,laparoskopisch ) Hier sollte auch der
Name des Patienten und die Station noch zusätzlich aufgeführt
sein, um die Kontrolle auf der Station schneller durchführen zu können.
- Mit dieser Liste wird
ein Besuch der betroffenen Station durchgeführt, um die Mitarbeiter
der Station über den Infektstatus der betroffenen Patienten zu befragen.
Hier hat sich eine enge Zusammenarbeit mit einzelnen Mitarbeitern entwickelt.
Diese Mitarbeiter kennen den Zweck dieser Erfassung und sind in der Lage
Infektionen nach KISS - Standard zu beurteilen und zu erkennen.
- Die Patientenakten werden
zur Infektionserkennung herangezogen. Mit etwas Übung erkennen Sie
Unregelmäßigkeiten im post OP Verlauf, die auf eine Komplikation
hinweisen. ( längere Liegezeiten, Wundbehandlungen, Keimbefund, Antibiotikagabe,
Temperatur, Leukos, CRP usw. )
- Mikrobiologische Befunde
werden im Labor gesichtet. Wenn ein Befund von einem Indikatoroperationspatient
auftaucht, wird auf der Station nachgeforscht, ob es sich um eine Infektion
handelt.
- bei Verdacht auf eine
Komplikation wird der Patient besucht und bei der Verband Visite beurteilt.
Dieser Patient wird bei fraglicher Infektdiagnose immer wieder aufgesucht
um eine genaue Diagnose zu erstellen. Bei der Diagnosefestlegung muß
der KISS-Beauftragte-Arzt seine Argumente mit einbringen, um die Festlegung
der Infektion oder Nichtinfektion zu festigen.
- In festgelegten Abständen
wird eine Verbandvisite bei den Indikatoroperationspatienten mit begleitet.
Hier können Vorgehensweisen bei der Durchführung der Verbände
gesichtet und ggf. Anregungen zur Verbesserung der Verbandtechnik gegeben
werden.
- Ist eine Infektion gesichert
wird ein Infektionsmeldebogen ausgefüllt. Dieser Bogen wird zusammen
mit der Operationsliste für den betreffenden Zeitraum an das NRZ geschickt.
Bevor die Daten an das NRZ geschickt werden, müssen alle Eintragungen
auf Vollständigkeit und Richtigkeit geprüft werden. Hier wird
noch einmal anhand der Operationsprotokollen geprüft ob alle Indikatoroperationen
auch erfaßt sind. ( zentraler Ordner ) Zu dieser Prüfung wird
der KISS Beauftragte Arzt befragt. Erst dann wird die Liste verschickt.
- Parallel zur NRZ Datenübermittlung
werden die Operationen und die Infektionen in ein EDV
- Programm eingegeben, um schnell zu einer Vorauswertung zu kommen.
Dieses hat sich als sehr günstig erwiesen, da eine schnelle Übersicht
zu jeder Zeit möglich ist. Außerdem werden vernünftige
Operationslisten und Infektmeldungen gedruckt, die an das NRZ geschickt
werden.
Alle Informationen, die
zu einer Infektdiognose bzw. Nichtinfektdiagnose führen, müssen
in die Erfassung einfließen.
Die Infektdiagnose muß
nach Standard KISS - Modul erfolgen.
Ergebnisbesprechung
- Das NRZ schickt in festen
Abständen eine Auswertung der Daten. Wenn zu hohe Infektionsraten
aufgetreten sind wird das NRZ auf Wunsch beratend tätig.
- Die Auswertung wird kopiert
und an alle verantwortlichen Personen, mit der Bitte um Sichtung, verteilt.
Nach einer kurzen Frist wird eine Treffen für die Besprechung der
Ergebnisse einberufen. Diese Besprechung beschränkt sich auf den Kreis
der behandelnden Ärzte, um das Vertrauensverhältnis nicht zu
stören. Die Ergebnisse dieser Besprechung werden in einem Protokoll
festgehalten, um geplante Aktionen zur Qualitätssteigerung für
später Besprechungen zu dokumentieren. Das Protokoll wir an die Teilnehmenden verteilt. Hier muß immer wieder auf die vertrauensvolle
Zusammenarbeit hingewiesen erden. Die Daten aus dieser Erfassung dürfen
nicht als Leistungsbarometer verwendet werden. Die Auswertung / Besprechung
soll zur konstruktiven Qualitätsverbesserung innerhalb dieses Kreises
verwendet werden.
Resümee
Dieser Bericht kann Ihnen
einen Start für die Erfassung nach KISS - Modul ein wenig erleichtern.
Diese Ausführungen sind nicht vollumfassend und Schritte der Einführung
und Durchführung der einzelnen Erfassungsmethoden sind in jedem Haus
etwas anders.
- Sie werden auf manche
Schwierigkeiten bei der Einführung und Durchführung der Erfassung
stoßen. Hier ist ein starkes Rückrad von Vorteil.
- Am Anfang müssen
Sie sich immer wieder mit der Erfassungsform auseinandersetzen.
- Binden Sie möglichst
viele Mitarbeiter in die Infektionserfassung mit ein.
- Bei Unklarheiten sollten
Sie sich nicht scheuen das NRZ anzusprechen.
- Beginnen Sie mit wenigen
Indikatoroperationsgruppen, um die Routine der Erfassung zu erlernen. Zu
viele Indikatoroperationsgruppen sprengen den Zeitrahmen.
- Kommt es während
der Urlaubszeit zu Erfassungsengpässen, lassen Sie den Monat aus.
- Lassen Sie sich Zeit bei
der Einarbeitung. Erst wenn Sie sicher erfassen können, werden auch
objektive Ergebnisse erzielt.
- Werden die Ergebnisse
angezweifelt, suchen Sie Rückrad beim KISS-Beauftragten. Hier ist
eine kompromisslose Unterstützung unbedingt erforderlich.
- Alle Infektionen müssen
evtl. auch öfter auf Richtigkeit überprüft werden. Benutzen
Sie unbedingt die Vorgaben des NRZ. Bei Unklarheiten sollten Sie sich nicht
scheuen das NRZ anzusprechen.
Diese Erfassungsform ist
aus unserer Sicht eine Methode, die auch in Zukunft Bestand haben wird.
Gerade im Hinblick auf die zunehmende Kostensituation und vermehrte Klagefreudigkeit
der Patienten ist eine Qualitätssicherung in diesem Bereich sehr wichtig.
Wenn Sie den gesamten Operationsbereich kontrollieren wollen stoßen
Sie auf die Grenze des Machbaren. Wählen Sie nicht alle Operationen
aus, sondern suchen Sie die Gruppe aus, die in Ihrem Haus die häufigsten
Komplikationen verursachen. Dies ist oft nicht zu realisieren, da nicht
alle Chefchirurgen an dieser Erfassung teilnehmen wollen. In diesem Fall
fangen Sie da an, wo die größte Bereitschaft zur Annahme der
KISS - Methode besteht. Wenn die Methode in diesem Bereich länger
eingeführt ist, treten die anderen Fachabteilungen erfahrungsgemäß
schnell an Sie heran, um auch für ihren Bereich eine Erfassung durchzuführen.
Bei geschicktem Umgang mit den Ergebnissen werden Sie ein breites Anwendungsspektrum
bekommen. Die Erfassung ist ein Service für
die Abteilung und nicht eine persönliche Kontrollmaßnahme
* NRZ = Nationales Referenzzentrum
für Krankenhaushygiene
*KISS = Krankenhausinfektions-Surveillance-System
(KISS)
So nun fällt mir dazu nicht
mehr viel ein. Ich weiß, das über dieses Thema noch viel geschrieben
werden kann aber mir scheint es jetzt genug zu sein.
Eine praktische Hilfe für
die Eingabe und Auswertung dieser Erfassung finden Sie unter der Internetadresse.
http://www.hygienefachkraft.de
aktualisiert am 4.9.99 |