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Temperaturen bei Patienten nach oder während langen Operationen

Postoperatives Frieren und Zittern (Shivering) zählt nicht nur zu den unangenehmsten Erinnerungen der Patienten an Operation und Narkose, für diejenigen mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen stellt die Auskühlung zudem eine Gesundheitsgefährdung dar. So kann z.B. der Sauerstoffverbrauch des Herzen unter Shivering um ein Vielfaches ansteigen. Beobachtungen zeigen, daß ein Teil der Patienten, die eine längere Operation hinter sich haben, massiv zittern und frieren und/oder eine meßbare Untertemperatur aufweisen. 
Gründe für diesen Effekt sind schnell gefunden und die Ursachen nicht unbekannt. 
(Patientenbefragung)

  • die kalte OP-Tischauflage
  • das dünne Hemd 
  • die unzureichende Abdeckung im OP
  • die kalte Umgebungsluft – Zugluft
  • Streß-Symptome
Ergebnisse aus einer Patientenbefragung im Alfred Krupp Krankenhaus, die 2000 – 2001 stattgefunden hat lieferte uns folgende Zahlen. Hier wurden insgesamt ca. 4000 Fragebögen an Patienten aller operativen Kliniken im Alfred Krupp Krankenhaus verteilt, von denen 1041 zur Auswertug kamen.

Häufigste Beschwerden nach der Narkose 

- keine Beschwerden 31,7 %
- Durst 29,49 %
- Schmerzen im OP-Bereich 23,15 %
- Frieren 19,88 %
Nach diesen Erkenntnissen scheint es erforderlich zu sein einmal genauer hinzusehen und eine Kontrolle der Temperaturen kann durchgeführt werden. Hierzu sollten Patientenfälle ausgesucht werden, die länger als 2 Stunden auf dem OP-Tisch verbracht haben. Ein Erfassungsbogen zur Dokumentation der Daten um die Werte, die für diese Erfassung notwendig sind, kann eingesetzt werden. Um die Umgebungstemperaturen im OP-Umfeld zu Dokumentieren kann ein zweiter Bogen angelegt werden. Jetzt ist es möglich einigermaßen sicher nach Fehlerquellen zu suchen bzw. eine Erfolgskontrolle im Rahmen der Qualitätssicherung durchzuführen. 

Hier stellt sich oft ein augenöffnendes Phänomen dar. 

Patienten, die lange operiert werden, kühlten zum Teil bedenklich aus.
Fachärzte für Anästhesie wurden nach den Folgen einer starken Auskühlung befragt und das Ergebnis war erstaunlich. Patienten, die während einer Operation stark auskühlen sind ab einer bestimmten Untertemperatur Nachbeatmungspflichtig und haben ein schlechteres OUTCOME. Wenn der Effekt der Auskühlung nicht eingetreten währe, müßte der Patient wegen der Temperatur nicht auf der Intensivstation nachbehandelt werden und hätte zudem noch bessere Grundvoraussetzungen, die Folgen seiner Erkrankung zu bewältigen. Das scheint ein Ansatzpunkt zur Verbesserung bzw. Sicherung der Lage zu sein und Überlegungen zur Milderung des Problems sollten angedacht werden.

Hierzu haben wir folgende Punkte zur allgemeinen Übersicht zusammengetragen.

  • Möglichkeiten der Ursachen einer Hypothermie
Die Klimaanlage wird evtl. nicht nach DIN 1946 mit der empfohlenen Temperatur gefahren und die Luftströhmung der Klimaanlage beschleunigt den Wärmeabstrom von der Körperoberfläche.
Die Türen im OP sind nicht immer geschlossen
Der Patient wird nicht ausreichend abgedeckt oder ist spärlich bekleidet.
Maßnahmen zur Wärmezufuhr wird nicht immer eingesetzt. Eine genaue Indikation für die Anwendung wärmeerhaltende Maßnahmen kann fehlen.
Eine ungenügende Patiententemperaturüberwachung kann das Temperaturproblem verdecken.
Infusionslösungen werden kalt infundiert.
Hilfsmittel zur Wärmeübertragung können fehlen oder werden falsch eingesetzt.
Verdunstungskälte durch die Hautdesinfektion wird verursacht. 
  • Mögliche Fehlerbeseitigung
Standard für die Klimaanlage erstellen und durchsetzen
Türen nicht offen stehen lassen
Wärmeerhaltene und Wärmezuführende Maßnahmen nach vorgegebenen Standards einhalten und durchsetzen.
Temperaturen messen (im OP Raum und am Patienten)
Die geeigneten Infusionslösungen anwärmen
Wärmemanagement etablieren 
 


  • Die Vorteile einer Normothermie ergaben sich aus Ergebnissen der folgenden Studien und Literaturstellen.
 
Patientevorteile Kostenvorteile
Unbeeinträchtigte Substanzumbildung von Anästhetika Verbrauchsreduzierung von Anästhetika
Peri- postoperatives Frieren vermindert Imagegewinn durch moderne Versorgungsabläufe
Unbeeinträchtigte leukozytäre Abwehrreaktion Infektionsbereitschaft sinkt 
Reduzierung der Verweildauer
Unbeeinträchtigte Koagulation Reduzierter Verbrauch von Blutprodukten und Plasmaexpandern
Keine, bzw. kürzere postoperative Beatmung Weniger Intensivpflege
Keine massive postoperative Stoffwechselsteigerung Weniger Medikamentengabe
  • Das Wohl des Patienten und das Krankenhausbudget 

  • (Aktuelle Studienergebnisse)
 
Die Situation Normothermie Hypothermie Differenz
  36,6 °C 35,0 °C  
Blutverlust (1) 1,7 l 2,2 l + 0,5 l
Blutübertragung (2) 1 Einheit 8 Einheiten + 7 Einheiten
  36,6 °C 34,7 °C  
Infektionsrate (3) 6% 19% + 13%
Krankenhausaufenthalt (3) 12,1 Tage 14,7 Tage + 2,6 Tage
  36,7 °C 35,3 °C  
Mortalität (2) 2% 7% + 5 %
Herz-Rhythmus-Störungen (2) 3% 8% + 5 %

(1) Schmied et al., LANCET 1996 
(2) Frank et al., JAMA 1997
(3) Kurz et al., New England Journal of Medicine 1996

  • Schlußsatz
Die Minderung der zu starken Auskühlung der Patienten während und nach langen Operationen sollte auch in Ihrem Hause ein Schwerpunktthema sein um die Behandlungsqualität zu steigern. Außerdem sprechen wirtschaftliche Punkte für die Aktion, da die Beatmungs- bzw. Intensivtage erhebliche Kosten verursacht. 

Also Thermometer besorgen und vor Ort eine kleine aber effektive Untersuchung der Sachlage starten. Schon während der Dokumentation der Daten wird sich in der Regel eine fruchtbare Diskussion rund um dieses Thema ergeben und zu Qualitätsverbesserungen beitragen. Viele Fehler werden sich wie von selber lösen und das Fachwissen nimmt zu. Auch wenn Sie hier kein Problem haben, so ist die Maßnahme sicherlich hilfreich für Ihr QM-System. Die Mühe wird sich lohnen da sich für die Patienten in Zukunft ein besseres OUTCOME einstellt.



 
 
Erfassungsbogen Patiententemperaturen OP - Zeit  
Datum Pat.Nr. Alter OP Art Narkoseart Narkosedauer OP Dauer 0h 1h 2h 3h 4h 5h 6h Nachbeatmun gsdauer Kommentar
                               
                               
                               
                               
                               
                               
                               
                               
                               
                               



Erfassungsbogen für Temperaturen Raumluft

OP-Saal ________________________
 
 
Datum

 Zeit

------- ------- ------- ------- ------- ------- -------
Patienten 
Säule
             
OP-Raum 
Hinten
             
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